Geschichte
   Sonderpublikation
   Kartenverkauf
   Galaabend
   Home
   Aktuell
   Programm
   Partner
   Kontakt
   Unterkünfte
   Impressum

1907 - 2007, 100 Jahre Bonsai in Deutschland

Der Anfang

Die Auseinandersetzung mit Bonsai hat in Sachsen eine lange Tradition. Diese resultierte insbesondere aus der Liebe sächsischer Kurfürsten zu ostasiatischer Kultur, vor allem zur Gartenkultur. Der Dresdner Hofgärtner George Meister beschreibt schon 1692 nach seiner Ostasienreise, die ihn 1677 als elften Deutschen auch nach Japan führte, in dem Buch "Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lustgärtner" die Kultur von Bonsai. Er schreibt u.a. : " In den großen runden Steinen und Klippen haben sie einen Fuß tief runde oder länglichte Löcher, welche sie mit Erde füllen und hernach ihrer Art kleine Bäumgen hineinpflanzen, welche zum Teil Früchte, die meisten aber allerhand Art schöne und wohlriechende Blumen tragen, wie auch allerhand Zwiebelgewächse, welche ziemlich rar und angenehm zu sehen sind, ...". Auch Hofgärtner J.H. Seidel zeigte an den Zwergbäumen Interesse und verfasste 1803 in seinem Buch "Der Frühlings- und Sommergärtner" einen Abschnitt "Von der chinesischen Zwergbaumzucht oder Obstorangerie". Gleich die Umschlagseite seines Buches illustrierte Seidel mit einem Kupferstich, der einen Chinesen, Zwergbäume tragend, darstellt. Seidel verfügte schon zu der Zeit über Wissen und Erfahrung zur Kultivierung von Zwergbäumen, die ihren Ausdruck in der Kultivierung von Zwergobstgehölzen in der Orangerie des Sächsischen Hofes fanden. Anlässlich der III. Internationalen Gartenbauausstellung 1907 in Dresden fand auch eine Zwergbaumausstellung statt, vermutlich die erste in Deutschland. Bereits damals wurden offensichtlich viele Besucher von Bonsaivirus infiziert und es gelangten bis in die 20er Jahre immer wieder Bonsais aus Japan nach Dresden und wurden z.T. in Blumenläden verkauft. Allerdings war das Seidelsche Wissen über die Kultivierung in Vergessenheit geraten und die Bäume waren somit zum Sterben verurteilt. Was folgte, war eine lange Durststrecke der kleinen Bäume in Deutschland.

Die Renaissance

Erst in den 70er Jahren gab es hier und da ein erneutes, vorerst noch privates, Interesse an Bonsai. Auf Grund der Teilung Deutschlands war auch die Entwicklung von Bonsai eine geteilte. Während sich im Westen 1978 der Bonsai-Club Deutschland (BCD) gründete, ging man im Osten andere Wege. Dort wurde, ebenfalls in den 70ern, durch den Dresdner Gärtner Wilhelm Elsner, eine Bonsaisammlung aufgebaut. Im Jahre 1982 begann im VEG Saatzucht Dresden mit der „Produktion“ von Bonsai. Während in Westdeutschland, bis auf wenige Ausnahmen, vor allem Importe aus Ostasien die damalige Bonsaiszene bestimmten, wurde im Osten, aus der Not geboren, der konsequente Versuch gemacht, einheimische Arten mit ostasiatischen Techniken zu gestalten. Ortsansässige Keramikkünstler stellten eine Kollektion von Bonsaigefäßen her, die an den natürlichen Charakter der Bäume angepasst waren. Dieses Herangehen wurde als „Dresdner Bonsaiweg“ bekannt und kann als einer der ersten Versuche gesehen werden, einen eigenständige europäische Bonsaikultur zu entwickeln. Die Basisarbeit fand in örtlichen Arbeitskreisen statt, die dem Kulturbund der DDR zuzuordnen waren.

Deutschland einig Bonsailand

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands weitete der BCD seine Aktivitäten auf ganz Deutschland aus. Diese beschränkten sich fast ausschließlich auf die Rekrutierung von Mitgliedern, zur Ausrichtung einer überregionalen Ausstellung in den neuen Bundesländern kam es bislang nicht. Im Westen blieb man weitgehend unter sich, im Osten fanden die bis zur Wende jährlich stattfindenden überregionalen Ausstellungen (z.B. im Rahmen der IGA in Erfurt) keine Fortsetzung.

Bonsaideutschland heute

Heute arbeiten ca. 2000 Mitglieder des BCD deutschlandweit in mehr als 100 Arbeitskreisen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche eigenständige eingetragene Vereine und auch organisationslose Zusammenschlüsse, welche der Beschäftigung mit Bonsai nachgehen.



Quellen: Gärtnerisch Botanischer Brief, Nr. 141, 2000/4 Botanische Sammlungen Pirna-Zuschendorf, www.kamelienschloss.de




© 2006 by HM-Grafik